Hintergrund

Der Begriff Legasthenie meint eine Art Sammelsurium von Symptomen. Diese können dann auftreten, wenn ein Bildungssystem versucht, alle Menschen nach einem einheitlichen Prinzip, Lehrinhalte zu vermitteln. Ganz konkret geht es dabei um das Erlernen der Kulturleistungen Rechnen, Schreiben und Lesen, die je nach Studie ca. 5-15% der Schüler große Probleme bereiten. Diese Lernprobleme wurden symptomatisch
unter dem Begriff Legasthenie zusammengefasst.

Im Laufe der Jahre konnte noch nicht endgültig geklärt werden, wie und warum genau diese Symptome auftreten. Im Sinne der Übersichtlichkeit wurden jedoch einige Symptome in sog. Symptomgruppen zusammengefasst und genauer definiert. Hierbei fiel auf, dass beispielsweise Probleme beim Schreiben oder auch unkontrolliertes Verhalten nicht zu vermischen sind mit Lese- oder Rechenproblemen. Insgesamt wurden 5 Unterscheidungen der Legasthenie als sinnvoll erachtet.

Diese sind:
Dysgraphie (Problem mit dem Schreibvorgang an sich, Unlesbarkeit der Handschrift)
Dyskalkulie (Rechenprobleme)
Dyslexie (auch LRS genannt, bezeichnet die Probleme im Lesen und Rechtschreiben)
AD(H)S (Schwierigkeiten mit angemessener Aufmerksamkeit / Hyperaktivität)
Dyspraxie (Ungeschicklichkeit)

Weit vor der Zeit, in der es den Fernseher gab, beschrieb bereits der bekannte Arzt und
Kinderbuchautor Dr. Heinrich Hoffmann in seinem Erfolgskinderbuch der Struwwelpeter einige der wichtigsten Symptome. Beispielsweise der Zappel-Philipp und der Hanns Guck-in-die-Luft stellen exemplarisch die Symptome dar, die heute unter dem Begriff ADHS verstanden werden. Somit ist klar, dass die Schulprobleme der heutigen Zeit auch bereits vor 150 Jahren existierten. Damals wurde jedoch davon ausgegangen, dass dieses Verhalten mit einer ansprechenden Belehrung schon abgestellt werden könnte. Im Gegensatz zur damaligen Zeit, ist unsere Gesellschaft und unser Bildungssystem jedoch heute sensibilisiert für die Existenz und Problematik unterschiedlicher Lerntypen.
Vor einigen Jahrzehnten, als die Filme noch schwarz-weiß waren, bezeichnete man junge Menschen als zurückgeblieben, wenn Sie dem Unterricht längere Zeit nicht folgen konnten oder wollten. Trotz mühevollem Einsatz vieler Lehrer, kam es nicht zu den gewünschten Verbesserungen, da sie ihren methodischem Ansatz nicht änderten.

Ein Gedanke aus der philosophischen Richtung des Konstruktivismus lautet – Wenn etwas auf eine bestimmte Art nicht funktioniert, dann probiere etwas Anderes.
In den letzten 3 Jahrzehnten wurden mehrere Ansätze entwickelt, nach denen Legastheniker sehr erfolgreich die Lernziele erreichen und ebenso individuelle Lernblokaden lösen konnten. Um diese Art des Lernens soll es in meiner Beratungstätigkeit, meinen Vorträgen und auch in den Legasthenie-Workshops speziell für Lehrer und Sozialpädogen gehen.

Für ihre herausragenden Leistungen auf den Gebieten der Lernforschung, Lernstrategien und Legasthenie möchte ich besonders Ron D. Davis, Vera F. Birkenbihl und Robert B. Dilts danken.